Warten auf Barrierefreiheit

Falsche Weichenstellung der Bahn

Mit dem Zug ist MdB Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Anfang Juli zu einer Veranstaltung nach Bad Mergentheim gereist. Beim Aussteigen in der Kur- und Tourismusstadt fielen ihm gleich die viel zu niedrigen, nicht barrierefreien Bahnsteige auf. Das Ein- und Aussteigen in die Dieseltriebwagen der Westfrankenbahn ist für mobilitätseingeschränkte Menschen kaum oder gar nicht möglich. Mit einer Anfrage erkundigte er sich deshalb bei Denis Kollai, dem Geschäftsführer der zuständigen Westfrankenbahn, nach den Sanierungsplänen für den Bahnhof Bad Mergentheim. Nun bekam er Antwort.

 

Kollai berichtet, dass zunächst die kleinen Haltepunkte Niklashausen, Igersheim und Reicholzheim mit einem auf 55 Zentimeter erhöhten Bahnsteig ausgestattet und damit barrierefrei würden. „2019 werden wir mit dem Umbau im Bahnhof Schrozberg beginnen, anschließend (1-2 Jahre später) den Bahnhof Weikersheim, dann den Bahnhof Rot am See und schlussendlich den Bahnhof Bad Mergentheim umbauen.“ Ab dem Jahr 2025 seien dann alle Bahnhöfe der Tauberbahn stufen- bzw. barrierefrei zu nutzen. Grund für die zeitliche Abfolge sei einerseits, dass der Bahnbetrieb während des Umbaus weitergehen müsse, andererseits das geringe zur Verfügung stehende Budget. „Für einen Bahnhofsumbau mit Errichtung der neuen elektronischen Stellwerkstechnik und Gleisanlagenanpassung werden ca. 3-5 Mio. Euro LuFV-II-Mittel des Bundes benötigt.“

 

Zu diesen Ausführungen von Denis Kollai meint MdB Matthias Gastel: „Die Westfrankenbahn hat in ihrer Antwort auf mein Schreiben die Fördermittel des Bundes auf Basis der Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV) angesprochen. Der Bund überweist der Deutschen Bahn auf dieser Grundlage jährlich rund 3,5 Milliarden Euro für die Infrastruktur. Davon fließen noch nicht einmal 60 Millionen Euro in Maßnahmen für die Barrierefreiheit. So kommen wir dem wichtigen Ziel, allen Menschen eine Mobilität ohne Barrieren zu bieten, viel zu langsam näher. Der Bund muss seine Mittel erhöhen und der DB klare Vorgaben machen, wie viele Bahnhöfe pro Jahr umgebaut werden müssen. ´Barrierefreiheit‘ ist dann so zu verstehen, dass die Bahnhöfe nicht nur stufenfrei sind, sondern auch über entsprechende WC, Blindenleitsysteme etc. verfügen.“

 

Grünen-Stadtrat Thomas Tuschhoff stört die Reihenfolge, welche die Westfrankenbahn für die Bahnsteigsanierungen gewählt hat. Er gönnt jedem Haltepunkt an der Tauberbahn einen barrierefreien Zugeinstieg. „Weshalb aber der Bahnhof Bad Mergentheim, einer der meistfrequentierten entlang der Strecke, als letzter saniert werden soll, kann ich nicht verstehen“, kritisiert Tuschhoff. Wegen seiner vielen Bahnreisenden, seiner Kliniken und Sanatorien sowie als Schulstandort sei ein behindertengerechter Bahnhof hier besonders wichtig. Die begrenzten finanziellen Mittel sollte man seiner Ansicht nach so einsetzen, dass die größtmögliche Zahl an Reisenden davon profitiert, was bei der Reihenfolge der Westfrankenbahn gerade nicht der Fall sei.

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