Ungleiche Schülerverteilung

Die Bad Mergentheimer Grundschule ist auf zwei Schulgebäude verteilt, die ca. 700 Meter auseinanderliegen. Kinder aus dem Wohngebiet "Weberdorf" oder aus dem Stadtteil Löffelstelzen besuchen die Schule in der Au, andere die Schule Stadtmitte. Die Folge dieser Aufteilung ist, dass Migrantenkinder weit überwiegend in der Stadtmitte unterrichtet werden. Viele Schüler*innen ohne deutsche Sprachkenntnisse in einer Klasse machen das Unterrichten aber extrem schwierig und behindern deren Integration. Weil während des Schuljahres ständig neue Kinder hinzukommen und andere wieder fortziehen fehlt es an Kontinuität. Die Rektorin hat deshalb vorgeschlagen, alle Kinder der Klassen 1 und 2 im Gebäude Au zu unterrichten und der Klassen 3 und 4 in der Stadtmitte. Damit könnten die Kinder gleichmäßiger auf die Klassen verteilt und die Klassengrößen ausgeglichener gestaltet werden.

Sturm der Entrüstung

Für die Kinder, die bisher vom 1. bis zum 4. Schuljahr durchgehend in der Au unterrichtet werden würde diese Änderung bedeuten, dass sie zum 3. Schuljahr das Schulgebäude wechseln und 2 Jahre lang einen längeren Schulweg in die Stadtmitte in Kauf müssten. Hiergegen wandten sich etliche Eltern aus dem Webedorf. In unzähligen Leserbriefen bekämpften sie diese Reform, für die sich die Lehrerschaft und die Schulkonferenz nahezu einstimmig ausgesprochen hatten. Das Argument des längeren und gefährlicheren Schulwegs halten manche für vorgeschoben. Sie vermuten, dass es in Wahrheit darum geht, die eigenen Kinder von den Migrantenkindern fernzuhalten. Es wurde von einer "Eliteschule" in der Au und einer "Brennpunktschule" in der Stadtmitte gesprochen.

 

Erschreckend war, mit welchen Mitteln dieser Schulstreit ausgetragen wurde. Den Angriffen auf ihre Person fühlte sich die Rektorin nicht länger gewachsen. Sie stellte einen Versetzungsantrag, der auch bewilligt wurde. Freundschaften zwischen Erwachsenen gingen in die Brüche. Kindern wurde der Umgang mit anderen Kindern untersagt, wenn deren Eltern eine andere Auffassung vertraten.

Entscheidung im Gemeinderat

Ursprünglich waren die Schule, das Schulamt und das Regierungspräsidium Stuttgart der Ansicht, dass es sich bei der vorgeschlagenen Änderung um eine schulinterne Angelegenheit handelt, in welcher der Gemeinderat nicht mitzureden hat. Kurzfristig änderte das Regierungspräsidium jedoch seine Meinung, so dass der Gemeinderat darüber zu entscheiden hatte, um Rechtssicherheit zu bekommen. Aus Angst vor Angriffen enttäuschter Eltern fiel die Entscheidung am 12. Mai 2016 in geheimer Abstimmung. 22 Stadträt*innen votierten dafür und 9 dagegen. Wir hoffen, dass diese Entscheidung nun dazu beiträgt, dass der Schulstreit beigelegt werden kann.

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