Kommunaler Klimaschutz

Klimastammtisch fordert Klimaschutz-Aktionsplan

In einem einleitenden Impulsreferat berichtete Kreisrat Hans Hartung über den Klimastammtisch in Weikersheim. Er sei vor etwa zwei Jahren von einigen Bürgerinnen und Bürgern gegründet worden, die sich wegen der Folgen des Klimawandels Sorgen machen und wünschen, dass vor Ort aktiver dagegen vorgegangen wird. Eine erste große Aktion war im September vorigen Jahres ein Markt für Regionalität und Nachhaltigkeit in Weikersheim, bei dem auch größere Anstrengungen für den Klimaschutz gefordert wurden. Zunächst wurde die Idee verfolgt, dem Vorbild anderer Städte zu folgen und in Weikersheim den Klimanotstand auszurufen. „Diese Forderung ist einigen Mitgliedern der Gruppe aber als zu alarmistisch erschienen“, berichtete Gründungsmitglied Hans Hartung. Man einigte sich letztlich darauf, für einen lokalen Klimaschutz-Aktionsplan einzutreten. Er solle verbindliche Klimaschutzziele definieren und Maßnahmen planen, mit denen diese erreicht werden können. Die Zielerreichung sei laufend zu überprüfen.

Um die Bürgerschaft einzubeziehen und den Wunsch nach einem Klimaschutz-Aktionsplan in den Gemeinderat zu bringen entwarf der Klimastammtisch einen Einwohnerantrag nach §20b der Gemeindeordnung. Wenn er von 3 Prozent der Wahlberechtigten unterschrieben wird, muss der Gemeinderat das Thema in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung behandeln und mit den Vertretern des Antrags diskutieren. „Die erforderliche Anzahl Unterstützungsunterschriften haben wir erhalten“, freute sich Hartung, „wir werden sie demnächst der Stadtverwaltung übergeben“. Im Gespräch sei man aber auch mit allen Fraktionen des Gemeinderats. Ortsverbandsvorsitzende Teresa Rosenitsch dankte Hans Hartung für seine interessanten Ausführungen.

Feigenblatt-Planung

Nahtlos an diesen Bericht anknüpfen konnte Stadtrat Hubert Schmieg. Nach zehn Jahren habe der Gemeinderat nun endlich eine Konzentrationszone für Windkraftanlagen auf der Gemarkung von Bad Mergentheim ausgewiesen. Er bezeichnete sie als „Feigenblatt-Fläche“, die nur dazu diene, Windräder an anderer Stelle auszuschließen. Sie befinde sich in einer Senke und verhindere durch die nicht mehr zeitgemäße Beschränkung der Nabenhöhe auf 150 Meter den maximal möglichen Stromertrag. Für ihn sei unverständlich, dass sich der Gemeinderat mehrheitlich am Anblick von Windrädern störe, jedoch keine Skrupel habe, das Taubertal mit unansehnlichen Industriebauten zuzubauen.

Auf Drängen seiner Fraktion würden jetzt die ersten Maßnahmen aus dem Lärmaktionsplan umgesetzt. „Ausgewählt wurden allerdings nur diejenigen, die so gut wie nichts kosten“, so Schmieg. Auf der Westumgehung bleibe es auch nach der Pandemie bei Tempo 50. In Edelfingen werde die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 40 beziehungsweise in einem Teilbereich auf 30 km/h reduziert, um die Anwohnenden vor dem gesundheitsschädlichen Verkehrslärm zu schützen. Die Grünen drängten darauf, die enge Ortsdurchfahrt in Edelfingen verkehrsberuhigt zu gestalten, damit sie nicht als Ausweichroute für die B290 missbraucht wird.

Stadtrat Thomas Tuschhoff freute sich, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung in der Herrenwiesenstraße auf Antrag seiner Fraktion auf der gesamten Länge eingeführt wird, „leider aber nur auf 40 km/h, wir hatten Tempo 30 gefordert“.  Das hätte den Verkehrslärm so stark reduziert wie eine Halbierung des Verkehrsaufkommens. Die Grünen vermissten dabei schmerzlich Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr wie die Umsetzung der beschlossenen Fahrradstraße oder die Freigabe von Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radfahrende.

Freiflächen-Fotovoltaikanlagen

Kreisrat Rainer Moritz freute sich darüber, dass es mit der Bio-Musterregion Main-Tauber voran geht. Der Landkreis habe eine Stelle dafür ausgeschrieben, die demnächst besetzt werden soll. Er verspreche sich davon viel Schwung für die Bio-Musterregion. Auch wenn die Belegung von Dachflächen mit Fotovoltaik-Anlagen Vorrang haben sollte sieht Moritz auch in Freiflächen-PV-Anlagen ein Potential für die regenerative, klimafreundliche Stromerzeugung. Sie stehe vielfach nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion, sondern zum Anbau von Energiepflanzen wie etwa Mais. „Auf derselben Fläche kann mit Fotovoltaik aber sechzehn mal so viel Strom erzeugt werden wie mit Biogasanlagen“, plädierte er für diese Alternative. Für die Landwirte sei sie ein sicheres zweites wirtschaftliches Standbein. Favorisieren würden die Grünen sogenannte Agro-PV-Anlagen. Mit leicht transparenten Modulen könne die Lebensmittelproduktion mit der Stromerzeugung kombiniert werden. Unter den Modulen würden Kulturen wie z.B. Obst, Beeren oder Kartoffeln gut gedeihen, die vor zu viel Sonneneinstrahlung geschützt werden müssten.

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