Große Chance verpasst

Was ist ein Sustainable Urbon Mobility Plan?

Wenn die 2015 auf der Klimakonferenz von Paris vertraglich vereinbarten Klimaschutzziele erreicht werden sollen, muss der Kohlendioxidausstoß auch im Verkehr reduziert werden. Um das zu schaffen schlägt die Europäische Kommission Sustainable Urban Mobility Plans (SUMP) vor. In solchen nachhaltigen Verkehrsentwicklungsplänen setzt man sich messbare, quantifizierte Ziele und plant Maßnahmen, um diese Ziele zu erreichen. Anschließend prüft man, ob mit diesen Maßnahmen die Ziele erreicht worden sind und steuert gegebenenfalls nach. Dies ist ein mehrjähriger Prozess, an dem die Bürgerschaft aktiv beteiligt wird.

Was heißt das für Bad Mergentheim?

Wir haben zu viel motorisierten Individualverkehr in der Stadt. Durchgangsverkehr spielt hier aber kaum eine Rolle. Er macht lediglich 19% des Gesamtverkehrs aus. 16% des Verkehrs ist Binnenverkehr, bewegt sich also nur innerhalb der Kernstadt. Mit 65% überwiegt der Ziel- und Quellverkehr. Insgesamt 81% des Verkehrs können daher nicht auf andere Straßen verlagert werden. Die bisherige Verkehrspolitik zielte darauf ab, den Durchgangsverkehr auf Umgehungsstraßen zu verlagern. Doch selbst wenn es gelingen sollte, den gesamten Durchgangsverkehr auf Umgehungsstraßen zu lenken, erreicht man damit keine wesentliche Verminderung des motorisierten Individualverkehrs in der Stadt. Will man die Verkehrsbelastungen in der Stadt verringern, muss man den Binnen- sowie den Ziel- und Quellverkehr anders abwickeln als bisher, zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Fahrgemeinschaften. Gefragt sind innovative Konzepte, z.B. Mitfahr-Apps. Die können nach Ansicht der Grünen mit einem SUMP entwickelt werden.

Umlandgemeinden mitnehmen

Der Ziel- und Quellverkehr bewegt sich zwischen der Kernstadt von Bad Mergentheim, seinen Teilorten und den Umlandgemeinden. Erfolgreich kann ein SUMP nur sein, wenn er die Gemeinden einbezieht, zwischen denen sich der Ziel- und Quellverkehr überwiegend abspielt. Teil des Grünen-Antrags war deshalb, den Sustainable Urban Mobility Plan gemeinsam mit diesen Kommunen zu entwickeln.

Der Nutzen

Ein SUMP dient dem Klimaschutz. Er reduziert den Ausstoß von Kohlendioxid und begrenzt damit die Klimaerwärmung. Vorteilhaft ist er aber auch ganz unmittelbar für die Menschen. Er verhindert Verkehrsstaus, verbessert die Erreichbarkeit der Stadt, vermindert den Verkehrslärm und den Parkplatzmangel.

Verkehrswende? Nein Danke!

Mit seiner - wenn auch äußerst knappen - Ablehnung des Sustainable Urban Mobility Plan dokumentiert der Bad Mergentheimer Gemeinderat einmal mehr, dass ihn Klimaschutz nicht interessiert. Er hält unberührt von den immer bedrohlicher werdenden Klimaveränderungen an seiner Politik fest, die Stadt möglichst autogerecht zu machen. Obwohl der Verkehrsgutachter nachgewiesen hat, dass es selbst in Spitzenzeiten freie Parkplätze in der Stadt gibt, fordert die CDU-Fraktion noch mehr. Die zaghaften Versuche der Stadtverwaltung, den Verkehr aus der Altstadt herauszuhalten, lösen bei manchen Gemeinderäten die Befürchtung aus, die Stadt werde "totberuhigt". Sie erwarten Umsatzeinbußen und Firmenpleiten. Alle vorgeschlagenen Maßnahmen stellte der Gemeinderat daher nun unter Gremienvorbehalt.

Weniger Autos = mehr Umsatz

Die Erfahrung in anderen Städten zeigt, dass weniger Autos in der Stadt keineswegs weniger Umsatz bedeuten. Das Gegenteil ist richtig. Mehr Platz für Fußgänger und Radler erhöht die Aufenthaltsqualität und Attraktivität der Stadt. Das regt an zu bummeln und zu konsumieren. Kunden, die eventuell wegbleiben wenn sie nicht mehr bis vor die Ladentüre fahren können, werden überkompensiert von denen, die neu kommen. Dem Trend zum Online-Handel kann man nicht mit Parkplätzen entgegenwirken, sondern nur mit Einkaufserlebnissen, die das Internet nicht bieten kann. Kinderspielmöglichkeiten, Straßenkünstler, Märkte, Außengastronomie bilden die Attraktionen, mit denen Städte Kundenfrequenz schaffen können.

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